De-facto-Standard führt zu mehr Effizienz

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die ODETTE (Zusammenschluss der nationalen Automobilverbände in Europa für elektronischen Datenaustausch und Logistik) haben den De-facto-Standard "ODETTE XML", an dem auch die open4business mitwirkte, verabschiedet.
Anmeldung auf automobilen B2B-Portalen künftig noch einfacher und sicherer

Die Anmeldung auf Business-to-Business-Portalen in der Automobilindustrie wird künftig noch einfacher, sicherer und schneller - und dies europaweit. Möglich macht dies eine neue europäische Empfehlung, die Daten, Prozesse und Technologien bei der Benutzerverwaltung in B2B-Internetportalen zwischen Automobilherstellern und Zulieferern festschreibt.

Bisher zeitraubende Prozeduren wie das Anmelden von neuen Nutzern, die Datenpflege und das Abmelden nicht mehr aktiver Nutzer verkürzen sich mit dem neuen De-facto-Standard in Zukunft deutlich. Ermöglicht wird dies durch einheitliche Prozesse und ein einheitliches Datenmodell mit Schnittstellen zur automatisierten Übertragung von Informationen.

Die neue Empfehlung wurde jetzt von ODETTE, dem Zusammenschluss der nationalen Automobilverbände in Europa für elektronischen Datenaustausch und Logistik, und dem Verband der Automobilindustrie (VDA) vorgestellt. Der Initiative der Firmen BMW Group, DaimlerChrysler und Volkswagen-Konzern sowie Bosch, Siemens VDO Automotive, Webasto und ZF Friedrichshafen AG haben sich unter dem Dach von ODETTE die französischen Hersteller PSA und Renault sowie die Zulieferer Michelin, Rieter, Valeo und Faurecia angeschlossen. Die Projektleitung lag bei ZF.

Der neue De-facto-Standard bietet noch weitere Vorteile, beispielsweise bei der internen Prozessoptimierung der Lieferanten: Der von ZF entwickelte und auch bei Siemens VDO bereits eingesetzte Portalmanager ermöglicht es, Daten der Anwender und der verschiedenen Internetportale der Fahrzeughersteller standardisiert zu verarbeiten. Bisher muss jeder Anwender an jedem Herstellerportal angemeldet sein, was unübersichtlich und zeitaufwändig ist. Die nun mögliche Automatisierung führt zu einer Effizienzverbesserung von 30 bis 60 Prozent. Darüber hinaus wird die Fehlerquote gegenüber der manuellen Bearbeitung deutlich verringert, da Tippfehler und durch regelmäßige Updates auch das Risiko von veralteten Daten ausgeschlossen werden. Zudem wird durch die Automatisierung die Sicherheit deutlich verbessert, da unberechtigte Zugriffe verhindert werden.

Möglich wurde dieses Portal Management durch eine Vereinheitlichung der abgefragten Daten bei Anwendern und Herstellerportalen. Dazu wurde unter dem Dach von ODETTE eine gemeinsame Grundlage geschaffen, anhand welcher festgelegt wird, wie Nutzer identifiziert werden, welche Schnittstellen notwendig sind und wie eine automatische Datenübertragung zwischen den Portalen geleistet werden kann. So müssen Zulieferer beispielsweise bei Neuanmeldungen an Herstellerportalen nicht mehr alle Daten über Nutzer und Kennzahlen zum Unternehmen manuell eingeben. Diese Daten liegen jetzt bereits im richtigen Format zur Überspielung vor. Ein Prototyp der automatischen Übertragung läuft derzeit zwischen ZF und BMW.

SupplyOn, ein B2B-Marktplatz für Autozulieferer, hat sich ebenfalls verpflichtet, diesen Standard einzuführen. So sind auch tier-2- und tier-3-Lieferanten in die vereinfachte Datenübertragungskette bis hin zum Fahrzeughersteller eingebunden. Dieses Vorgehen ist vergleichbar mit den Einsatzmöglichkeiten der EC-Bankkarte in verschiedenen Ländern: Von allen teilnehmenden Banken kann der Karteninhaber problemlos Bargeld aus den Automaten in Europa bekommen.

Um auch kleine und mittlere Unternehmen in den Genuss der Vorteile dieser Empfehlung kommen zu lassen, wird der VDA diese Firmen informieren und unterstützen: Nach Bedarf werden Foren zum Erfahrungsaustausch und zu Best Practice eingerichtet.

Der Einsatz des neuen De-facto-Standards ist übrigens nicht auf die Automobilindustrie beschränkt: Ein künftiger Austausch mit der Chemie- und Elektroindustrie wurde bereits gestartet.